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Ausgabe 3
 
 

Vorwort

Der afrikanische Kontinent weist bekanntlich eine bemerkenswerte Vielfalt an Sprachen auf, die sich in drei Gruppen teilen lassen, und zwar in die einheimischen Sprachen, die mit Abstand die Mehrheit bilden, die Sprachen der ehemaligen Kolonialmächte (z. B. Englisch, Französisch und Portugiesisch) und diejenigen Sprachen, deren Vorhandensein bildungspolitisch motiviert ist. Dabei geht es je nach dem Land außer um die Sprachen der ehemaligen Kolonialmächte um Deutsch, Spanisch, Arabisch, Chinesisch, Japanisch usw. Alle diese Sprachen haben einen gewissen Einfluss auf die kommunikativen Gewohnheiten bzw. Verhaltensweisen der Menschen, die mit ihnen in Berührung sind bzw. kommen. Die Analyse dieser Sprachkontaktsituationen ist nicht nur für die aktuelle Sprachforschung und einen zeitgemäßen Sprachenunterricht notwendig, sondern auch für sprachpolitische Entscheidungen in den Einzelländern Afrikas. Dies ist insofern wichtig, als die Zukunft der meisten Länder dieses Kontinents in der Mehrsprachigkeit liegt.

Im Fokus des vorliegenden Bands 3 von Mont Cameroun steht Deutsch am Kreuzpunkt der Mehrsprachigkeit in Afrika. Diese Fragestellung soll nicht nur systemlinguistisch, sondern auch diskurstheoretisch angegangen werden. Der den Band eröffnende Beitrag von Mohamed L. Diallo geht auf die Problematik des Passivs im Deutschen und Bamanankan ein. Über formale Aspekte hinaus beschäftigt sich der Verfasser auch mit kommunikativen Funktionen der Passivstruktur in den beiden Sprachen. Hier zeigt sich, dass die Vergleichssprachen nicht nur Unterschiede, sondern auch Gemeinsamkeiten aufweisen, die darin bestehen, dass in den beiden Sprachen Passivformen benutzt werden, wenn der Handelnde unbekannt oder nicht wichtig ist bzw. verschwiegen werden soll. Mireille M. Meyanga befasst sich in ihrem Beitrag mit dem Phänomen des Code-Switching im Interaktionsprozess zwischen kamerunischen Studierenden in Deutschland. Zunächst wird die Mehrsprachigkeit im kamerunischen Kontext erläutert, dann die Rolle des Deutschen in dem zentralafrikanischen Land dargestellt. Anschließend werden anhand von Beispielen Form und Funktion des Code-Switching im Kommunikationsprozess zwischen kamerunischen Studierenden in Deutschland analysiert.

Der Beitrag von Jean-Claude Bationo plädiert dafür, die burkinischen Sprachen in den Lernprozess des Deutschen als Fremdsprache in Burkina Faso einzubetten. Dies erweist sich für ihn als eine selbstverständliche Voraussetzung, um das Deutschlernen in dem westafrikanischen Land interkulturell zu gestalten. Georges C. Massock basiert auf dem diskursanalytischen Ansatz des französischen Soziologen und Diskurstheoretikers Pierre F. Bourdieu, um den Zusammenhang von Diskurs und Macht bzw. Herrschaft herauszuarbeiten. Dies wird u. a. am Beispiel der Sprachen der Kolonialmächte in Afrika veranschaulicht. Auf der Grundlage von Reiseberichten der Kolonial- und Postkolonialzeit widmet sich Sylvie Nantcha der Fremdwahrnehmung des mehrsprachigen kamerunischen Fremdkulturraums.

Die dazu ausgewählten Texte werden soziolinguistisch, sozialpsychologisch und sprachkontaktlinguistisch analysiert, um herauszufinden, inwieweit die darin benutzten fremdsprachlichen Ausdrücke die literarische Verarbeitung der Fremdwahrnehmung des Fremden widerspiegelt. Helga Abret setzt sich mit der deutschen Kolonialliteratur am Beispiel Frieda von Bülows Kolonialroman Tropenkoller (1896) auseinander. In diesem Roman kritisiert Frieda von Bülow das wenig vorbildhafte Verhalten der Kolonisatoren und plädiert dafür, dass sich die Europäer an die fremde Kultur in den Kolonien anpassen.
Dass solche humanen Spiegelregeln mit dem Kolonialismus nicht realisierbar waren, musste von Bülow später zu ihrer Enttäuschung feststellen. Der Beitrag von Gisela Thome untersucht aus der Perspektive von Übersetzungswissenschaft, Kontrastlinguistik und Semiotik den sprach- und kulturübergreifenden Umgang mit Sprache-Bild-Kombinationen. Nach der Klärung der zentralen Termini multimodaler Text, Interlingualität und Interkulturalität diskutiert die Autorin Möglichkeiten der Erfassung der textologisch, translatologisch und kulturell gleichermaßen relevanten Konvergenzen und Divergenzen multimodaler deutsch- und englischsprachiger Presseartikel naturwissenschaftlichen Inhalts anhand der systematischen Gegenüberstellung zweier einschlägiger Korpora.

Salifou Traoré
Februar 2007