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Bonamanga. Eine kosmopolitische Familiengeschichte
Jean-Pierre Félix Eyoum, Stefanie Michels, Joachim Zeller (München, Köln, Berlin)
Viele Familienmitglieder der Duala-Familie Bell aus Kamerun hielten sich
vor und nach dem Ersten Weltkrieg zu Ausbildungszwecken oder zur
Arbeit im Deutschen Reich auf. Ein Höhepunkt dieser Familiengeschichte
war sicherlich der Besuch von Manga Bell 1902 in Berlin. Der Chief der
Duala kam im Juli des Jahres in offizieller Mission seines Volkes in die
deutsche Reichshauptstadt, um “Gesuche um Abhilfe einiger Übelstände
in Kamerun” unter dem dortigen Gouverneur Jesco von Puttkamer zu
überbringen. Von diesem Ereignis sind verschiedene Pressefotografien
erhalten, Bilddokumente, die fotohistorisch von herausragender
Bedeutung sind, da sie Afrikaner in einer ganz neuen Rolle zeigen, nämlich
als Botschafter ihres Landes, die unerhörtes einfordern: den Dialog mit
ihren Kolonialherren. Der (fotohistorische) Artikel versteht sich als ein
Beitrag zur Geschichte der afrikanischen Diaspora in Deutschland, wobei
hier vor allem Bildquellen zur Auswertung kommen sollen.
Hearing Colonial Voices: Martin Dibobe and the 1919 Cameroonian Petition
Paulette Reed-Anderson (Berlin)
An African „immigrant“ population had established itself in Germany by
the first decades of the 20th century. The sons of influential West African
families, in particular those from the coastal areas of Cameroon, made
up a large part of the first generation. Their families had sent them to
Germany, the metropolitan country, for education and training. Some of
these men, among them Quane a (Martin) Dibobe (ca. 1879 – ca. 1928),
maintained close ties with the leadership in Cameroon and served as
appointed representatives of the Duala people. This paper examines the
“32-Point-Paper – Conditions of Remaining ‘German,’” dated 27 June
1919, submitted by Martin Dibobe to the Central Colonial Department
in Berlin. This petition allows contemporary researchers to gain an insight
into colonial history from the perspective of Africans who lived under
German colonial rule.
Diskursespiele in deutschen Kolonialtexturen: Anmerkungen zu Hans Paasches publizistischen Texten
Pierre Kodjio Nenguie (Yaoundé)
Deutsche Kolonialtexturen weisen sehr oft eine Vielfalt von Diskursen
auf. Dies gilt auch für Hans Paasches publizistische Texte mit kolonialen
Bezügen. In dem Beitrag wird der Frage nachgegangen, inwiefern Paasches
publizistische Texte kolonialideologische, antikoloniale und humanistische
Potenziale enthalten. Der Rückgriff auf zeittypische Diskurse erlaubt es,
Paasches Kolonialtexte über Ostafrika exemplarisch zu verorten. Dabei
fällt auf, dass der Autor einen besonderen antikolonialen Diskursansatz
entwickelt hatte, der weder den antikolonialen Kampf förderte, noch den
deutschen pangermanistischen Diskurs total in Frage stellte.
Ecrire par devoir de mémoire. L’histoire coloniale allemande dans la littérature camerounaise francophone
Albert Gouaffo (Dschang/ Saarbrücken)
Si l’on compare la présence coloniale allemande en Afrique à celle de
l’Angleterre ou de la France, on est tenté de dire qu’elle a été de courte
durée et donc sans effets sur l’histoire et la culture des colonisés. Pourtant,
lorsque l’on fait l’inventaire des lieux de mémoire, tant matériels que
mentaux dans cet espace, force est de constater que l’Allemagne, bien que
physiquement moins visible dans les anciennes colonies comme certains de
ses voisins immédiats, reste ancrée dans l’imaginaire des espaces nationaux
configurés jadis par elle en Afrique. Cet imaginaire empreint de nostalgie,
mais aussi d’amertume et de rage, a marqué et continue de marquer
l’inconscient collectif du colonisé, même en contexte postcolonial. La
présente contribution se donne pour objectif d’explorer, par le biais de la
littérature, ces espaces mémoriels décrits par la fiction tout en thématisant la
possibilité d’une mise en abîme de la douleur et autres violences coloniales
perçues par la force d’un pardon réparateur.
Von Cette Afrique-là nach Kilomètre 30 :
Postkoloniale Identifikation mit dem Peiniger am Beispiel Kamerun
Esaїe Djomo (Dschang)
In Peau noire, masques blancs schrieb Fanon (1952: 7): “Le Noir veut devenir
Blanc.” Mit dieser Formel wies er eigentlich auf ein Wesensmerkmal
(post)kolonialer afrikanischer Eliten hin: die Bereitschaft der
Kolonisierten, sich mit den Kolonisatoren, den Angreifern ihres Volkes
und den Zerstörern ihrer Kultur, zu identifizieren. Um zu verstehen,
wie es zu diesem unerwarteten und erstaunlichen Verhaltensmuster von
Seiten der Opfer von Kolonialüberfällen kommt, lohnt es sich, wieder
die Kolonialschule zu “besuchen”. Wie Jean Ikellé-Matiba am Beispiel
des Kolonialschülers Franz Mômha zeigt, war das Ziel dieser Schule die
kulturelle Entfremdung und die Anpassung der Schüler an die eigenen
kulturellen Werte der kolonisierenden Kulturen. Zur Erreichung dieses
Ziels wurde die in Europa bereits erprobte Schwarze Pädagogik erfolgreich
eingesetzt, denn in der Postkolonie lebt der Reflex der Identifikation mit
den fremden Peinigern weiter fort.
„Otomo – der Stadtfeind“ – Chronik einer Duldung
Ute Fendler (Saarbrücken)
Frieder Schlaich erzählt den letzten Tag im Leben von Frédéric Otomo,
einem Kamerumer, der seit acht Jahren in Deutschland geduldet wird.
Am Ende des Films weist ein eingeblendeter Text auf eine Zeitungsnotiz
über den Tod zweier Polizisten und eines Afrikaners hin, gefolgt von
dem Hinweis, dass die Ursachen für diese Tragödie unbekannt seien. Der
Film stellt damit einen Bezug zur Realität her und will sich als Versuch
verstanden wissen, eine mögliche Erklärung für den tragischen Tod dreier
Menschen zu geben und damit auf die immer wieder kehrende Frage des
„Warum?“ und „Wie konnte das nur passieren?“ angesichts von scheinbar
sinnloser Gewalt eine mögliche Antwort zu geben.
Die Analyse zeigt das Geflecht aus Wahrnehmungen und von
Verhaltensmustern gegenüber Fremden in Deutschland auf, das
unterschwellig und fein mitläuft, aber zusammengefügt deutlich macht, wie
der Andere nur geduldet – und dies im politischen wie im sozialen Sinne –
wird und zum Feind werden muss. So führt der Film zum einen vor Augen,
wie die Konfrontation heraufzieht und zum anderen die Konsequenzen
für die Betroffenen, die in das Räderwerk dieses Mechanismus geraten.
Zum Kulturbegriff
Lutz Götze (Saarbrücken)
Der Verfasser greift eine alte Diskussion zum Kulturbegriff auf und führt
sie weiter. Er kritisiert neuere Auffassungen in den Kulturwissenschaften
(Altmayer, Byung-Chul Han u.a.), weil ihm deren Kulturbegriff zu weit
und unverbindlich erscheint. Gefordert wird ein neuer Kulturbegriff,
der ethisch-moralisch verantwortlich ist und die Menschenrechte als
zentrales Kriterium jeder Kultur begreift, daneben aber den Künsten
(Literatur, Musik, Malerei) eine wesentliche Rolle zuweist. Definiert wird
dieser Kulturbegriff auf zwei Ebenen, einer ethisch-normativen sowie einer
kulturspezifisch-deskriptiven Ebene. Beispiele aus unterschiedlichen Ländern
werden dazu gegeben. Die ethisch-normative Ebene charakterisiert die
Universalität dieses Kulturbegriffs, die kulturspezifisch-deskriptive Ebene
mit den Inhalten Künste, Kulturelles Gedächtnis und Alltagskultur hingegen die
Besonderheiten in Ländern und Regionen.
Didactique de la littérature et Interculturalité: l’enseignement de la littérature, un atout pour l’enseignement des langues et des cultures étrangères au Burkina Faso
Jean-Claude Bationo (Saarbrücken)
Depuis le XIXème siècle, les didacticiens n’ont cessé de s’interroger sur
la contribution de la littérature dans l’enseignement des langues vivantes.
Après avoir été maintes fois supprimée, elle réapparaît dans les débats
actuels sur l’enseignement et l’apprentissage de l’allemand langue étrangère,
et semble lier la culture et la langue. Dans l’optique de cette dynamique,
la contribution mene une réflexion sur la didactique de la littérature et
l’interculturalité au Burkina Faso; l’objectif principal étant d’esquisser
l’importance de la littérature dans la promotion de la langue et de la culture
allemande. L‘analyse montre que « l’interculturel » est une chance à saisir
pour motiver les élèves burkinabé à s’intéresser davantage à l’allemand.
Satzarten als Phänomene der Grammatik-Pragmatik-Schnittstelle
Bernard Mulo Farenkia (Yaoundé / Saarbrücken)
Wie viele Satzarten gibt es im Deutschen? Wie lassen sie sich bezeichnen,
beschreiben und klassifizieren? Sind sie formale oder funktionale
Einheiten? In zahlreichen Grammatiken der deutschen Gegenwartssprache
wird diesen und ähnlichen Fragen uneinheitlich nachgegangen. Zum einen
werden die Satzarten als formale, zum anderen als funktionale Einheiten
betrachtet. Sehr oft bleibt dabei das Verhältnis der herangezogenen
formalen und funktionalen Kriterien zueinander unklar, was zur Folge
hat, dass diese Strukturen zum sprachdidaktischen Problem werden. In
Anlehnung an ‘neuere’ Studien wird demonstriert, dass die Satzarten
sowohl in der Grammatikforschung als auch in der Didaktik des Deutschen
als Fremdsprache an der Schnittstelle zwischen Grammatik und Pragmatik
stehen und demzufolge weder eine rein formale noch eine rein funktional
orientierte Beschreibung ermöglichen.
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